Jahreskrippe

In der Dietfurter Franziskanerkirche ist eine Jahreskrippe aufgebaut, in der zwölf Monate lang Szenen aus dem Evangelium zu bestaunen sind. Die älteren Leute von Dietfurt erinnern sich noch an die übergroße Krippe, die während der Adventszeit in der Klosterkirche errichtet wurde. Sie war so umfangreich, dass mit ihr die Antoniuskapelle komplett ausgefüllt war. Nach der Renovierung des Gotteshauses, Anfang der 60er Jahre, wurde die etwa 40 Quadratmeter große Krippe nicht mehr aufgebaut. Als Ersatz wurde unter der Empore, rechts in einer Seitennische, eine Jahreskrippe installiert.

Darstellungen wechseln

Solange Dietfurt Noviziatskloster war, kümmerten sich die Novizen um den fortlaufenden Umbau dieser Krippe. Danach gab es keinen festen Betreuer mehr. Wer gerade Zeit hatte, wechselte die Darstellungen der biblischen Geschichte. Seit Januar 2002 übernahm Bruder Robert diese Aufgabe. Nach schneller Einarbeitung widmet er sich nun mit großer Hingabe der Krippenrarität. Im Rhythmus von drei bis fünf Wochen wechselt Bruder Robert das Bild der Krippe.

Wie er im Gespräch mit dem Neumarkter Tagblatt erzählt, überlegte er z. B. für das Osterfest lange, welches Bibelereignis er in diesem Jahr zeigen soll. Dies hätten beispielsweise die Kreuzigung oder die Auferstehung Jesu am Ostermorgen sein können. Doch Bruder Robert war dies zu einfach - er liebt das Besondere, etwas, das es noch nicht gegeben hat. So ließ er sich von den Lesungen des Alten Testaments leiten, die während der Feier der Osternacht verkündet werden. In einer davon geht es um den Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer. Darin heißt es: "...Mose streckte seine Hand über das Meer aus und der Herr trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort. Er ließ das Meer austrocknen und das Wasser spaltete sich. Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand... Um die Zeit der Morgenwache blickte der Herr aus der Feuer- und Wolkensäule auf das Lager der Ägypter und brachte es in Verwirrung...".

„Wasserwände” aus Stoff

Der kreative Frater brauchte nicht lange zu überlegen, wie er diese Begebenheit vor Tausenden von Jahren darstellen könnte. Er, der gerne mit Stoffen arbeitet, formte daraus "Wasserwände", zwischen denen die Israeliten ziehen. Dabei legte der Franziskaner großen Wert auf die Gestaltung des Umfeldes. Entsprechende Lichteffekte sorgen dafür, dass die in der Lesung erwähnte Feuersäule sichtbar wird und selbst die karge Landschaft gefällig und anziehend wirkt.